00089 Km - Fahrbericht der 1150 GS

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Endlich war er da, der 1.3.2000. Vor lauter Vorfreude wachte ich schon Morgens um 6.30 Uhr auf. Da ich ja die letzten Tage den Wetterbericht verfolgt hatte, war ich angesichts der Wetterausichten schon ziemlich deprimiert. Der Tag begann jedenfalls wie ihn die Wetterfrösche vorhergesagt hatten, mit strömendem Regen.
Für diese Aussichten hatte ich mit meinem Händler ausgemacht, dass er mir das Motorrad nach Hause bringt. Aber oh Wunder gegen 10.00 Uhr riss der Himmel auf und man konnte sogar schon die Sonne sehen. Nach einen Telefonat mit meinem Händler beschloss ich, sie doch selber abzuholen. Also schnappte ich mir mein Auto und fuhr nach Bolheim. Jetzt mussten sie nur noch das Nummerschild unter meiner Aufsicht anschrauben. Und mir wurden im Büro noch die Fahrzeugpapiere überreicht.
Natürlich bekam ich noch eine Einweisung, nein nicht in die Klinik, sondern  in die Neuheiten der R1150GS. Was aber eigentlich nicht nötig war, ich beschäftige mich mit der R1150GS ja schon seit Herbst 1999. Nach fünf langen Monaten zog ich mir zum ersten mal wieder meine Motorradjacke an und setzte den Helm auf. Ich schwang mich also aufs Motorrad. Kommt mir ja eigentlich alles bekannt vor. Außer die neuen Lenkerarmaturen. Was sich gleich noch als Problem herausstellen sollte. Ich hatte nämlich vergessen das Licht anzuschalten, irgendwie ist man es einfach gewohnt das es immer an ist, außer wenn das Motorrad in der Werkstatt war.
Auf den ersten Metern fällt einem als R1100GS Fahrer eigentlich gleich auf das sich die Sitzposition nicht geändert hat, was auch gut so ist. Die neue Sitzbank sorgt aber für einen besseren Sitzkomfort. Als erstes führte mich mein Weg nach Herbrechtingen, ich wollte ja nach Hause fahren. Mir kam da aber noch eine Polizeistreife in die Quere, wie gesagt ich hatte ja kein Licht an. Sie stoppten mich also. 3 km gefahren und schon die erste Polizeikontrolle, das fängt ja gut an. Irgendwie hatte ich aber den Eindruck, dass sie sich mehr für das Motorrad als für mein Licht interessierten. Die Polizei begutachtete mein Motorrad und ich suchte den Lichtschalter, ist doch irgendwie nicht mehr so wie an der R1100GS, der Schalter fürs Licht ist recht klein geraten, aber den braucht man ja eigentlich nie. Dafür finde ich das die neuen Armaturen vor allem in Bezug auf die Blinker deutlich besser geworden sind. Endlich erhält man eine Rückmeldung, durch einen klar spürbaren Druckpunkt. Über die BMW typische Blickersteuerung lässt sich zwar streiten, aber nach 30.000km mit der R1100GS ist sie mir so ins Blut übergegangen dass ich im letzten Jahr, bei der Fahrt mit einer Kawasaki KLE 500 Probleme mit dem Blinken bekam, irgendwie waren die Schalter nicht an der richtigen Stelle. Ich durfte also ohne Problem weiterfahren, da die Polizisten nach einem Blick auf den Tacho mir glaubten, dass ich das Motorrad gerade erst abgeholt hatte. Tachostand 5 km. Wo wir gerade bei den Armaturen sind, die Griffschalen sind leider immer noch nicht lieferbar, aber diesen Monat sollen sie noch kommen. Hoffentlich wird das nicht so wie bei der R1100GS, denn da hat es ja ewig gedauert bis BMW liefern konnte. Ich gebe ihnen halt noch Zeit bis zum ersten Kundendienst und wenn sie dann noch nicht lieferbar sind, kaufe ich mir die Touratech Handschützer. Die sind zwar teurer, aber dafür lieferbar

AKTUELLE MELDUNG
04.03.2000
Heute wurde ich von meinem Händler angerufen. Man glaubt es ja kaum, aber die Griffschalen sind da. Ich bin gleich nach Bolheim gefahren und habe sie abgeholt. Der Preis beläuft sich auf DM 78.- . Das anbringen der Griffschalen ist einfacher als es aussieht. Nach ca. 20 Minuten hatte ich es geschafft sie zu montieren. Dazu reicht das dem Motorrad beigelegte Werkzeug.


Zu Hause angekommen musste ich erst einmal ein paar Fotos schießen, so neu wird sie nie mehr sein und eigentlich wollte ich nicht mehr fahren, war schon recht kalt.  Beim Fotografieren fällt einen dann auf, dass die R1150GS nicht die Ventildeckel hat mit denen sie bei den ersten Test zu sehen war. Es fehlt der MAGNESIUM Schriftzug und die Rippen am unteren Teil. Diesen Hinweis erhielt ich schon vor ein paar Tagen per E-Mail von einem meiner Homepage Besuchern, der direkt bei BMW nachgefragt hatte und folgende Antwort erhielt:

Sehr geehrter Herr .....,

Ihre R 1150 GS besitzt in jedem Fall Ventildeckel aus Magnesium. Allerdings sehen diese anders aus als die Deckel, mit denen die Maschinen in unseren Katalogen oder auch die ersten Testfahrzeuge ausgestattet waren. Bei diesen Maschinen handelt es sich um Fahrzeuge aus der Vorserie und den allerersten Produktionstagen. Diese mussten leider mit den Magnesiumdeckeln der BMW R 1100 S ausgestattet werden, da uns die eigentlich vorgesehenen Deckel zu diesem Zeitpunkt aufgrund von produktionstechnischen Schwierigkeiten bei unserem Lieferanten noch nicht zur Verfügung standen. Inzwischen werden aber ausschließlich die Magnesiumdeckel ohne Schriftzug bei der R 1150 GS verbaut.

Wir hoffen, dass wir Ihnen helfen konnten und wünschen Ihnen einen guten Start in die Motorradsaison 2000.

Mit freundlichen Grüßen
BMW Motorrad Direkt


Das Wetter schien sich ja zu halten und deswegen beschloss ich, doch noch eine Runde zu drehen. Ich hätte es aber eh nicht ausgehalten das Motorrad in der Garage stehen zu lassen und mich dafür aufs Sofa zu legen. Jetzt habe ich so lange darauf gewartet und jetzt muss ich fahren.
Nach langer Vorrede komme ich jetzt dann doch mal zu meinen ersten Fahr- eindrücken oder man könnte auch sagen zu meinem Testbericht.
Überrascht war ich als erstes mal vom tollen Sound des Boxers, er säuselt jetzt nicht mehr so wie die alte R1100GS, hört sich einfach wieder wie ein Boxer an. Ist aber auch wie bei der alten, beim fahren hört man den Motor fast nicht mehr. Die nächste positive Überraschung ist die Hinterradfederung, sie spricht feinfühlig an und bügelt jetzt auch kleine Unebenheiten weg. Der Telelever ist noch besser geworden und sieht jetzt auch besser aus.
Die ersten Kilometer war ich  damit beschäftigt mich auf das neue 6 Gang Getriebe zu konzentrieren. Es schaltet hervorragend mit kurzen und klar definierten Schaltpunkten. Da ich auch schon Japaner mit ihren viel gelobten Getrieben gefahren habe, muss ich sagen, es ist, jedenfalls für mich,  kein Unterschied mehr festzustellen. Auch diese Getriebe lässt sich geräuschlos Schalten und das Einlegen des ersten Ganges erfolgt jetzt ohne Widerstand. Vielleicht lassen sich manche Getriebe noch leichter schalten aber das spielt nun wirklich keine Rolle mehr. Da ich den Motor nur bis 4000 U/min drehen durfte hatte ich oft genug die Gelegenheit den Gang zu wechseln.
Nach den ersten vorsichtigen Kurven, die Reifen waren ja noch neu, traute ich mich auch mal schneller durch die Kurven zu fahren. Man fühlt sich noch sicherer als auf der R1100GS und ist irgendwie noch einen Tick schneller unterwegs, was auch auf den lang übersetzten 6 Gang zurückzuführen ist. Diesen 6 Gang habe ich auf der R1100GS die ganze Zeit vermisst. Ich wollte wer, weis wie oft, vom fünften in den sechsten schalten. Es hört sich einfach langsamer an, aufgrund der niedrigeren Drehzahl, als man in Wirklichkeit ist. Erst ein Blick auf den Tacho verrät einem, das man eigentlich schon wieder zu schnell unterwegs war. 120km/h sind, so unter uns gesagt, mit diesem Motorrad jedenfalls ein angenehmes Landstraßen Tempo. Da jetzt die Reifen auch eingefahren waren, konnte ich mich kaum noch zurückhalten und so fuhr ich mit immer größer werdenden Schräglagen meine Hausstrecke ab. Natürlich unter Beachtung der Drehzahlgrenze von 4000 U/min, was aber im sechsten Gang immerhin gut 130 km/h bedeuten. Die zusätzlichen Kilos der 1150GS gegenüber der R1100GS sind nicht spürbar, man könnte auch sagen dieses Motorrad fährt sich als ob es 50 Kilo leichter wäre. Das tatsächliche Gewicht spürt man nur beim rangieren oder schieben in der Garage. Auch lässt sich die R1150GS sehr leicht auf den serienmäßigen Hauptständer aufbocken. Das war aber bei der R1100GS auch nicht anders. Bei meiner Kawasaki ZZR 600 ging das jedenfalls schwerer obwohl sie 40 Kilos leichter war.
Der neue Motor ist übrigens eine Wucht. Drehmoment ohne Ende, auch wenn ich das Gas noch nicht voll betätigen konnte und wollte, ist aber auch nicht nötig, auch mit Viertel- oder Halbgas zieht die GS weg als ob es kein halten mehr gibt. Der Motor läuft jetzt in jedem Drehzahlbereich ruhiger und runder, auch das viel beschriebene Konstant-Fahr-Ruckeln, unter Q-Freunden auch kurz KFR genannt, ist nicht mehr feststellbar. Wozu man natürlich sagen muss, das die meisten GS-Fahrer es gar nicht bemerken würden wenn es ihnen niemand erzählt hätte. Man nutzt einfach einen anderen Drehzahlbereich und schon ist es weg. Ich jedenfalls bin nie im fünften Gang durch die Stadt gefahren, denn nur dann ist es wirklich vorhanden gewesen und zwar wenn man zwischen keinem und minimal Gas gefahren ist. Aber bei der neuen 1150GS ist es nun wirklich verschwunden.
Auch kann ich nicht bestätigen das dieser Motor nicht so frei dreht wie der der R1100GS, man kommt ja kaum mit dem Schalten hinterher, aber vielleicht wird er in den höheren Drehzahlregionen träger. Aber das interessiert mich eigentlich nur am Rande, den Drehzahlen jenseits der 6000 U/min sind eigentlich unnötig, dies war auch bei der 1100 schon so. Wenn man in diese Regionen vorgestoßen ist dann höchstens mal bei sehr zügigen Überholen. Aber bei vorrauschender Fahrweise reicht auch der 4 oder 5 Gang um auf der Landstraße, ohne den Motor auszuquetschen, zu überholen. Auf Pass-Strassen, mit ihren kurzen Geraden sieht das natürlich ein wenig anders aus, hier kann es schon mal nötig sein den Motor auszudrehen und dafür reicht die Drehfreude allemal und wenn nicht, dann hätte man wohl besser nicht überholt. Aber ich schweife hier vom Thema  ab. Verbessert hat sich auch der Windschutz, im Vergleich zur R1100GS. Er ist sogar besser, als mit der von mir an der R1100GS verwendeten Ermax Tourenscheibe. Die Windgeräusche empfinde ich nicht als zu laut, auch hält sich der Winddruck in Grenzen.  Für meine nächste Fahrt, werde ich dann versuchsweise mal die Scheibe verstellen. Sie war jetzt in der mittleren Position. Ich werde dann mal die flache und die steile Einstellung testen. Um herauszufinden welche für mich die Angenehmste ist. Dies muss aber wahrscheinlich jeder für sich selbst herausfinden, denn je nach Körpergröße, Sitzposition und verwendeten Helm wird sich das Ergebnis für den einzelnen unterscheiden. Ich benutze übrigens den BMW-Systemhelm 3 und bin 190 cm groß. Um noch mal auf die fehlenden Griffschalen zurückzukommen. Ohne sie nützt, bei Temperaturen um 6°C,  auch die Griffheizung nichts mehr. Ich bin, als verwöhnter BMW-Fahrer, nicht im Besitz von Winterhandschuhen, denn auf der R1100GS habe ich sie eigentlich nie gebraucht. Dank Griffheizung und Griffschalen. 
Jetzt will ich mal ein Fazit aus meiner ersten Fahrt, eigentlich ist es ja die zweite, wenn man die Probefahrt hinzuzählt, mit der R1150GS ziehen.
Die Verbesserungen im Vergleich zur R1100GS sind klar spürbar. Vor allem der Motor hat deutlich an Laufruhe gewonnen und das Getriebe lässt sich besser Schalten und hat wie obern schon erwähnt endlich einen 6 Gang. Das ohnehin schon sehr gute Fahrwerk der R1100GS wurde in Richtung Komfort verbessert, bei fast noch besserer Straßenlage. Die Optik hat durch die neue Front auch hinzugewonnen, auch hat es  BMW verstanden den Sound zu verbessern ohne deswegen lauter zu werden. Zwei Kritikpunkte habe ich aber trotzdem. Die Beifahrer Fußrasten sollten tiefer angebracht werden, denn meiner Freundin tun nach längerer fahrt, vor allem in den Bergen immer die Knie weh und nicht wie auf anderen Motorräder der Hintern. Und die Kabelverlegung zwischen Tank und Lenker sieht auch nicht unbedingt schön aus. 
Wenn der Spaß so bleibt wie bei meiner ersten Tour und das wird er sicherlich, kann ich nur sagen , das ist das optimale Motorrad für mich. Der optimale Kompromiss aus Fahrspaß, Fahrkomfort und Tourentauglichkeit.